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Helfende Hand im Bürokratie-Dschungel:
Mit Sprachkursen Perspektiven eröffnen
Tanja Sivieri ist für viele Geflüchtete im Main-Kinzig-Kreis die erste Stüt- Freude.“ Solche Momente zeigen, dass Integration persönlich ist. „Wir
ze auf dem Weg in ein neues Leben. Im Servicebüro der Bildungspartner fiebern mit, wenn Prüfungen anstehen.“
kämpft sie gegen Bürokratie, Vorurteile und Sprachbarrieren. Wer das
Büro betritt, hört Türkisch, Ukrainisch, Arabisch, Russisch – mittendrin Auch der Politikunterricht ist zentral: Geschichte, Demokratie, Rechts-
Sivieri, die Geflüchteten erklärt, wie Integration funktioniert. staat. „Manche sind überrascht, wie vielfältig Deutschland ist“, sagt
Sivieri. Der Test „Leben in Deutschland“ ist Grundlage für spätere Ein-
Seit zwei Jahren ist die Gelnhäuserin Teil des Teams. Zuvor arbeitete sie bürgerungen.
acht Jahre in Schulsekretariaten. Als sie sah, dass die Bildungspartner
Unterstützung im Fachbereich Deutsch suchten, war sie sofort interes- Ein wachsendes Feld sind Berufssprachkurse nach dem Integrations-
siert. Heute ist sie eine von fünf Mitarbeiterinnen in den Deutsch- und kurs. „Wer in Pflege, Handwerk oder Industrie arbeitet, muss Fachbe-
Integrationskursen. griffe verstehen“, erklärt Geschäftsführer Dirk Niedoba. Es gibt Kurse
für Pflege, Gartenarbeiten, Handwerk, Hotellerie und Industrie. Kleine
Rund 360 Menschen aus über 50 Nationen nehmen aktuell teil. „Viele Gruppen, 150 Stunden, intensive Vorbereitung. Ziel: sprachliche Fitness
kommen, die kaum ein Wort Deutsch sprechen und der Bürokratie hilf- für Ausbildung und Arbeit – Beitrag gegen Fachkräftemangel.
los gegenüberstehen. Ich stelle mir vor, wie es mir ginge, wenn ich in
Syrien wäre“, sagt Sivieri. Ihre Aufgabe: Hände reichen – bei Anträgen, Vorurteile ärgern Sivieri: „Viele glauben, Geflüchtete bekommen alles
Einstufungstests, Kursbeginn. „Die deutsche Bürokratie ist selbst für geschenkt. Dabei zahlen sie oft Prüfungen selbst und sind hoch moti-
uns schwer verständlich.“ viert.“ Die Nachfrage nach Kursen ist riesig, Wartelisten lang. „Wir könn-
ten acht weitere Kurse anbieten, wenn Räume und Dozenten da wären.“
Ein Integrationskurs umfasst 600 Unterrichtsstunden plus 100 Politik-
stunden. Ziel ist Sprachniveau B 1, viele Arbeitgeber verlangen B 2. Ei- Die Finanzierung der Integrations- und Berufssprachkurse ist bis 2026
nige Teilnehmende haben nie einen Stift gehalten, andere sind gut aus- gesichert. „Ohne Sprache keine Bildung, ohne beides keine Integration –
gebildet. Die Einstufungstests helfen, passende Gruppen zu bilden. „Wir und keine Demokratie“, sagt Niedoba.
achten auf gemischte Kurse – sonst sprechen viele nur ihre Mutterspra-
che.“ Männer und Frauen lernen gemeinsam – ein wichtiger Schritt in Trotz aller Herausforderungen liebt Sivieri ihre Arbeit. „Wir lachen viel,
Richtung Gleichberechtigung. auch über Übersetzungs-Apps. Es ist laut, bunt, anstrengend, aber er-
füllend. Wenn ich abends müde bin, weiß ich, ich habe jemandem gehol-
Sivieri freut sich über kleine Erfolge: „Ein Syrer fiel dreimal durch fen – und das macht mich dankbar.“
die B 1-Prüfung, bestand beim vierten Mal – da hat er getanzt vor
Redaktion und Fotos: Matthias Abel
Tanja Sivieri ist seit zwei Jahren Teil des BiP-Teams und liebt ihre Arbeit trotz aller Herausforderungen.

