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8 8  MAGAZIN

       80 Jahre Volksbildungsarbeit in der Main-Kinzig-Region
























       Die feierliche Eröffnung der vhs Hanau Stadt und Land am 7. September 1946 in Schloss Philippsruhe.          Quelle: Medienzentrum Hanau-Bildarchiv

       Am 18. Juni 1946 wurde in Hanau der „Verein für Volksbildung und De-  Bei der Wiederbelebung nach dem Zweiten Weltkrieg stand neben Wis-
       mokratie e.  V.“ gegründet. Zentrale Aufgaben sollten laut Vereinsstatut   senserwerb von Anfang an politische Bildung im Zentrum. So wurde
       nicht nur „alle Veranstaltungen der volkstümlichen Bildungspflege“ sein,   1946/47 in Hanau und Gelnhausen nicht nur für Sprachkurse in Englisch,
       sondern auch „die Durchsetzung demokratischen Gedankenguts“. Kurz   Französisch oder Russisch, für Fachkurse zu Mathematik, Physik, Edel-
       darauf, am 7. September 1946, wurde dann in einem überfüllten Saal in   metallkunde oder Elektrotechnik geworben, sondern auch für Arbeits-
       Schloss Philippsruhe die „vhs Hanau Stadt und Land“ feierlich eröffnet.   gemeinschaften zu Arbeiterbewegung und Demokratie. Bald kamen
       In Langendiebach, Ravolzhausen und Rückingen (heute Main-Kinzig-  weitere Bereiche wie Sport, Psychologie, Kreativität oder die Aktivierung
       Kreis) wurden erste Sprach- und Fachkurse und Arbeitsgemeinschaften   von Seniorinnen und Senioren hinzu. Schließlich umfassten die Angebo-
       angeboten. Ein halbes Jahr später folgte die „vhs der Kreisstadt Geln-  te nicht nur eine Vielzahl an Sprachen, Alltags- und Berufskompetenzen
       hausen“ und am 2. Februar 1948 die „vhs Schlüchtern“ – beide bald mit   und gestaltenden Tätigkeiten, sondern auch die gesamte Breite gesell-
       zahlreichen Außenstellen in umliegenden Gemeinden. Der Zweite Welt-  schaftlicher Diskussionen.
       krieg war gerade vorbei, bei einem Luftangriff im März 1945 waren große
       Teile Hanaus zerstört worden, und auch in Gelnhausen und Schlüchtern
       hatte der Krieg schwere Schäden hinterlassen. Trotz des Interesses bei  Fusionen
       der Gründung dauerte es einige Zeit, bis die Volkshochschulen größeren   1974 wurde im Zuge der Gebietsreform der Main-Kinzig-Kreis mit Geln-
       Zuspruch erfuhren. Die Menschen litten Not, „geistige Nahrung“ stand   hausen als Kreisstadt gegründet, 1975 wurden die Volkshochschulen
       zunächst nicht im Vordergrund. Dann aber kamen die Teilnehmenden   Gelnhausen, Hanau-Land, Hanau-Stadt und Schlüchtern zur Kreisvolks-
       in immer größerer Zahl. 1963 schließlich vermeldete das „Gelnhäuser   hochschule zusammengeführt, mit 4 „Hauptstellen“ in Hanau, Gelnhau-
       Tageblatt“, dass „60 % der Bevölkerung bei der Volkshochschule“ seien.  sen und Schlüchtern.

                                                              2008 gab es einen erneuten Zusammenschluss: Aus der Fusion der
                                                              Kreisvolkshochschule  mit der Main-Kinzig-Kliniken Bildungspartner
                                                              gGmbH ging die BiP hervor, die Bildungspartner Main-Kinzig GmbH. Die
                                                              vhs ist jetzt ein Bereich der BiP, daneben gibt es die Bereiche berufliche
                                                              Bildung und Bildung für Unternehmen, Behörden  und Organisationen.
                                                              Ihr Sitz ist seit 2011 das damals neu gebaute Bildungshaus Gelnhausen.
                                                              Geschäftsführer der BiP und vhs-Leiter ist heute Dirk Niedoba. Er löste
                                                              2024 den langjährigen Geschäftsführer Horst Günther ab.
       Bildung für alle
       Erste Ansätze einer Erwachsenenbildung entwickelten sich in der Re-
       gion bereits ab 1870. Mittels Anzeigen im Kreisanzeiger wurde etwa
       auf Kurse für Damenkleider, Fremdsprachen, Stenographie und Ko-
       chen hingewiesen.  Volkshochschulen  als  Institutionen  entstanden  in
       Deutschland 1919, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Der Auftrag
       des „Volksbildungswesens“, verankert in Artikel 148 der Weimarer Ver-
       fassung, war, allen Menschen, insbesondere einfachen Arbeitern, eine
       Chance zur Bildung zu geben. Die Weimarer Verfassung wird deshalb bis
       heute als „Geburtsurkunde“ der Volkshochschulen angesehen.

       Während des Nationalsozialismus wurde dann die allen zugängliche,
       überparteiliche, unpolitische Volkshochschule durch Gleichschaltung in
       eine ideologisch gefestigte Parteieinrichtung für Volksgenossen umge-
       wandelt.
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