06.08.2013 | „Geschichte fand nicht irgendwo statt"

BiP und Volksbund bauen Kooperation aus –
Konkrete Bildungsangebote für Schule und Jugendarbeit im Kreis


Bereits seit einigen Jahren besteht eine enge und sehr fruchtbare Kooperation zwischen der kreiseigenen Bildungspartner Main-Kinzig (BiP) und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesgeschäftsführerin Viola Krause vom Volksbund und BiP-Geschäftsführer Horst Günther haben nun einmal bilanziert und möchten die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren noch ausbauen, vor allem auf der inhaltlichen Ebene, mit konkreten Bildungsangeboten unter anderem für Schulen im Main-Kinzig-Kreis.

Schon mehr als 90 Jahre alt, doch pädagogisch beispielgebend modern: Der Volksbund, 1919 von Bürgern aus der Not heraus gegründet, dass sich die junge deutsche Demokratie nicht um die vielen deutschen Kriegsgräber kümmern konnte, erfüllt noch heute diese selbst gestellte Aufgabe. Darüber hinaus sind die Gräber und die damit verbundenen individuellen Geschichten, die sie erzählen, Ausgangspunkt für die Bildungsarbeit des Verbands. Zu diesem Zweck leistet der Volksbund Gedenkstättenarbeit auf den Kriegsgräbern, veranstaltet nationale und internationale Jugendlager zu deren Pflege, informiert in Schulen und Schulfreizeiten und unterhält vier Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten für friedenspädagogische Projekte.

„Wir sind froh, mit dem Landesverband Hessen des Volksbundes eine starke Partnerorganisation gewonnen zu haben, die zur Bereicherung des Bildungsangebotes der vhs beiträgt", erläutert Alexander Wicker, der als Fachbereichsleiter für Gesellschaft und Kultur der BiP die Kooperation fachlich und konzeptionell betreut. Er ist auch persönlich überzeugt von der Arbeit des Volksbundes, die er schon vor mehr als 15 Jahren kennen und schätzen gelernt hat: „Ich schloss zunächst, wie viele wahrscheinlich, vom Namen der Organisation auf ein völlig falsches Bild. Der Volksbund besetzt jedoch mit seinen innovativen und qualitativ hochwertigen Bildungsangeboten ein unverzichtbares Feld der historisch-politischen Bildung. Die Zusammenarbeit ist äußerst kreativ und produktiv."

Auch bislang gibt es regelmäßig Angebote des Volksbunds im Programm der Volkshochschule der BiP. Vor allem Fortbildungen für Pädagogen, die die dort vorgestellten regionalhistorischen Bausteine in ihren Unterricht einbauen können. Gemeinsam gestaltete man auch das vom Bund geförderte Projekt der BiP „Demokratisierung erfahren - Extremismus entgegen treten", das Ende 2012 mit einem Abschlussworkshop für Schülerinnen und Schüler endete.

Die interaktive Lernwelt im Bildungshaus Main-Kinzig bereichert ein herausragendes Exponat des Volksbunds, das der Landesverband mit einem fünfstelligen Betrag finanziert und nun als Ausgangs- und Zielpunkt seiner regionalgeschichtlichen Bildungsarbeit nutzt. Mit acht Metern in der Breite ist es neben den anderen Mitmachstationen, anhand derer die Bürger des Kreises in „ihrem" neuen Bildungshaus auf Entdeckungsreise gehen können, ein weithin sichtbares Ausstellungsstück. Acht beispielhafte Schicksale aus den Wirren des Zweiten Weltkriegs im Main-Kinzig-Kreis werden darin beleuchtet, es gibt viel zu lernen dabei. Viola Krause merkt an: „Wir sind besonders froh, hier im Main-Kinzig-Kreis mit unserem Auftrag und Anliegen auf so offene Ohren zu stoßen. Die Zusammenarbeit mit der BiP ist zentraler Bestandteil unserer Bildungsarbeit, da ist die Lernstation nur ein Zwischenschritt. Wichtig ist es, gerade junge Menschen zu erreichen und ihnen den Blick dafür zu öffnen, dass Geschichte nicht ‚irgendwo' stattfand, sondern hier vor ihrer Haustür, dass sie ihnen an jeder Hausecke begegnet."

Landrat Erich Pipa, der in dieser Funktion auch das Amt des Kreisvorsitzenden des Volksbundes bekleidet, unterstützt die Kooperation rundheraus: „Schon die Einweihung des Volksbund-Exponats im Bildungshaus hat gezeigt, dass wir eine lebendige Förder- und Mitgliederstruktur gerade hier im Main-Kinzig-Kreis haben. Wenn gerade die jungen Menschen aus unserem Kreis durch die Zusammenarbeit der BiP und des Volksbundes mehr über die eigene Geschichte lernen können, ist das ein weiterer wichtiger Beitrag zu einer lebendigen regionalgeschichtlichen Forschung im MKK."

Auch in diesem Jahr haben BiP und Volksbund ihre Kooperation weiter vertieft. So fand am 3. Juni für Multiplikatoren der jugend- und theaterpädagogischen Bildung ein Workshop „Kinder des Holocaust" statt, an dem Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiter der kommunalen oder kirchlichen Jugendarbeit, aber auch theaterpädagogisch Interessierte teilnahmen.

Für Schüler haben die beiden Bildungsträger überdies einen Projekttag zum Thema Zwangsarbeit entwickelt. Noch zu wenig bekannt, lief im März 1945 ein Todesmarsch von Häftlingen des Frankfurter Konzentrationslagers „Katzbach" bei den Adler-Werken durch das Kinzigtal bis Hünfeld, von wo aus die Überlebenden des Marsches mit dem Zug in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert wurden. Auf der Kriegsgräberstätte in Schlüchtern liegen einige der während des Marsches umgekommenen Häftlinge. Für diese Nähe zu den Verbrechen des NS-Regimes sowie für das Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus möchten die Initiatoren Schülerinnen und Schüler ab der 9. Jahrgangsstufe sensibilisieren. Interessierte Schulen können sich bei der vhs an Alexander Wicker wenden, der die ca. halbtägigen Workshops koordiniert, am besten per Mail unter

 

Bild zur PM vom 6.8.2013


v.l.n.r.: BiP-Geschäftsführer Horst Günther, Landesgeschäftsführerin Viola Krause vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
und Alexander Wicker 

 

Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien (Pressedownload) anbieten: 

BiP-Pressemitteilung 06-08-2013 (PDF)

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BiP-Pressemitteilung 06-08-2013 (Bild)

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